Yoga und Liebe – Teil I.

Liebesgeschichten umgeben uns. Beliebte Lieder, verliebte Filme, Liebesromane, Boulevardzeitungen im Supermarkt – alle verkaufen “Liebe”. Doch zeigen diese sternenklaren Dramen voller rücksichtsloser und chaotischer Emotionen wirklich ihre Wege? Leidenschaft und Besessenheit, Eifersucht und Verliebtheit – kann das Liebe sein? Reduzieren diese nicht tatsächlich die expansive Liebe des Geistes auf das Ergreifen von Greifwünschen des vergänglichen Fleisches?

Um wirklich zu lieben, müssen wir gemeinsame Vorstellungen verwerfen, auf die Erscheinungen der Liebe verzichten und herausfinden, wo wahre Liebe lebt. Wir werden dann feststellen, dass, obwohl wahre Liebe Freiheit ist, beliebte Liebesstile vergoldete Knechtschaft sind. Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Als ich mich mit neunzehn zum ersten Mal verliebte, wurde mir jedes Mal, wenn mein Geliebter mich in Indien verließ, um nach Amerika zurückzukehren, etwas aus meinem Körper gerissen.

Ich ging monatelang benommen herum, stieß gegen Wände und stolperte über Bordsteine. In diesen seltenen Momenten, in denen ich nicht von meiner Geliebten besessen war, waren meine Gedanken verschwommen und meine Handlungen schwach. Vier Jahre lang schrieb ich ihr mindestens einen Brief pro Tag und füllte ihn mit Gedichten und romantischen Gedanken aus meinem Herzen. Ich musste sie lieben, und ich brauchte ihre Liebe als Gegenleistung; erst dann fühlte ich mich vollständig. Die Leute hielten mich für romantisch – leidenschaftlich, liebevoll und wunderbar. Aber diese intensive Bedürftigkeit, dieses verzweifelte Verlangen war überhaupt nicht wunderbar! Es war reine Ohnmacht.

Die emotionale Raserei, die Liebe genannt wird, ist der wahren Liebe völlig fremd, der nicht besitzergreifenden, befreienden Umarmung eines anderen. Wenn wir wirklich lieben, gibt es keine Eigensinne. Wir erwarten nichts zurück. Liebe ist nur Freude.

Was ist diese seltene Art von Liebe? Wie finden wir es? Sind wir bereit dafür? Ist es nicht einfacher, dies einfach als New-Age-Hoopla abzutun und zu vertrauter Mittelmäßigkeit zurückzukehren, zurück zu dem, was die Dinge waren, zu Leidenschaft und Schmerz, Vorliebe und Frustration, Verlangen und Verzweiflung? Doch wenn wir innehalten, wenn wir tief im Inneren zuhören, sagt uns unser Herz, dass wir das alte Spiel satt haben, dass es so viel mehr gibt.

Aadil Palkhivala Copyright 2008

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